✵Robert Laurer Verlag
Robert Laurer
Geboren:
Gestorben:1899
1954
Robert Laurer war gebürtiger Österreicher und studierter Bauingenieur. Über die FKK-Verlagswesen in Dresden (→ „Die Schönheit”) und Berlin (→ „Freisonnland”), kam er 1924 ¹ nach Egestorf bei Hamburg. In Egestorf kaufte er das Haus des Kunstmalers Friedrich Schwarz in der Bahnhofstraße (heute: Alte Dorfstraße). Hier gründete Robert Laurer seinen Verlag und im Garten des Hauses ein kleines Freikörperkulturgelände. Auch wenn Haus und Garten beachtlich groß waren, so reichte der Platz nicht aus und Robert Laurer pachtete 1926 ein Gelände von 30 Morgen ² Land. Hier gründete Robert Laurer das „Luft- und Sonnenbad Egestorf”.
Unterstützt von Erhard Wächtler, gründete Robert Laurer am 09.08.1927 den Dachverband »Liga für freie Lebensgestaltung« (LffL), auch kurz „Liga” genannt. Offizielle Mitgliedszeitschrift der „Liga” wurde »Licht-Land«, welche im Verlag Robert Laurer erschien.
Robert Laurer hatte jüdische Vorfahren und ging 1933 angeblich in seine Heimat Österreich oder nach Böhmen zurück. Der Verlag wurde aufgegeben und das „Sonnenland Egestorf” bis Kriegsbeginn 1939 von der Familie Weber weitergeführt
In seinem Verlag beschäftigte Robert Laurer bis zu 20 Mitarbeiter, darunter Walther Brauns als Chefredakteur.
Selbsternannten Sittenwächtern gefallen die Zeitschriften von Robert Laurer nicht. Einerseits sind es die doch recht „freien” Textbeiträge, aber hauptsächlich die vielen Bilder nackter Menschen. So überhäuften sie den Verlag mit Anzeigen.
Teilweise folgten die Gerichte diesen Sittenwächtern und liessen immer wieder einmal einzelne Ausgaben beschlagnahmen, wobei 1926 sogar 8 Ausgaben von „Lachendes Leben” verboten und vernichtet werden sollten. Robert Laurer und Walther Brauns wurden wegen der „gemeinschaftlichen Herausgabe unzüchtiger Schriften” angeklagt.
Die Hefte wurden nicht vernichtet, dafür erhielten Robert Laurer und Walther Brauns hohe Geldstrafen in Höhe von jeweils 1.000 Reichsmark (2026 ∼ 40.000 € ³).
Laurer und Brauns erheben Einspruch gegen die Geldstrafe, denn sie wollen nun ein Grundsatzurteil erreichen. Die Frage dabei lautet, ob alle Nacktbilder unzüchtig sind, oder nicht ?!
Der Fall wandert vom Lüneburger Amts- zum Lüneburger Landgericht.
Da das Lüneburger Landgericht diese Frage nicht abschließend beantworten wollte, wurde Jakob Angermair, Hauptkonservator am Bayerischen Nationalmuseum in München, als Gutachter und Experte einbestellt.
Hunderte Bilder wurden (teilweise mit Lupe) durchgesehen und bewertet. Nach dem Gutachten erging ein Freispruch für Robert Laurer und Walther Brauns.
Robert Laurer bringt das Gerichtsprotokoll später als Buch mit dem Titel „Nacktheit als Verbrechen” heraus.¹ - Wikipedia schreibt: 1923, laut Heimatverein Egestorf: 1924
² - Im Deutschen Reich entsprachen 4 Morgen einem Hektar
³ - gem. Kaufkraftrechner entsprach 1 Reichsmark (1926) der heutigen Kaufkraft (2025) von knapp über 4 €
Quellen:
- Wikipedia
- Heimatverein Egestorf eV
- Licht-Land
- Lachendes Leben